Und, wie ist es so vor der Kamera?

von

Habt Ihr Euch eigentlich schon mal gefragt, wie sich das Model oder die Person vor der Kamera so fühlt, wenn Ihr wie angestochen vor ihr hin und her springt und versucht die Fotos Eures Lebens zu machen?

Ich ertappe mich öfters, dass ich das einfach aus den Augen verliere. Mit der größten Anstrengung versuche ich das Bild, welches ich im Kopf habe auch genauso auf den Sensor der Kamera zu brennen. Ich ändere den Standpunkt, drehe wie verrückt an der Kamera rum, schaue auf das Display und murmel mir was in den Bart. Und das Model? Es steht da und denkt sich vielleicht: „Hätte er doch besser heute Morgen seine Tabletten genommen“.  🙂
Wenn man an diesem Punkt ist, ist es manchmal hilfreich die Rollen auch mal zu wechseln. Sozusagen „Back to the Roots“.
Stellt Euch selbst mal vor die Kamera und beobachtet mal, was der hinter der Kamera so macht und wie er mit Euch kommuniziert. Tut er das überhaupt?
Aus der Erfahrung kann ich Euch sagen, ein Pulitzer-Preis verdächtiges Foto kann nur entstehen, wenn das Model und der Fotograf das gleiche Ziel haben. Dazu sollte das Model schon wissen was für eine Idee Ihr im Kopf habt. Das Model einfach vor einen Holzstapel stellen und dann denken, sie weiß ja wie ich das haben möchte, wird meist nicht funktionieren.
Am Set und auch davor sollte eine umfangreiche Kommunikation stattfinden. Trefft Euch mit dem Model, besprecht die Ideen die Ihr habt, zeigt vielleicht Fotos, die dem nahe kommen, wie Ihr das Foto haben möchtet. Solche Fotobeispiele kann man im übrigen prima auf Pinterest finden. Legt Euch Pinnwände mit den Fotos an, die Ihr vielleicht mal „nachstellen“ möchtet.
Nur so hat das Model schon eine gewisse Vorstellung von dem später fertigen Bild.

Und dann am Set: Sprecht mit Eurem Model!
Nichts ist schlimmer, wenn das Model steht, Ihr macht ein Bild nach dem anderen, schaut auf das Display und gebt keine Rückmeldung. Sagt dem Model wohin es schauen soll, wie es den Kopf drehen soll, dass es 37 cm nach links gehen soll. Äh, links…..  Ich meinte das andere links 😉
Das ist häufig auch ein Problem. Das Model geht nach links. Aber eben nach ihrem links. Entweder denkt Ihr gleich um und gebt die Richtungsangaben aus der Sicht des Models oder Ihr führt sie durch zeigen mit der Hand. So lässt sich das Model auch oft viel feinfühliger „steuern“.
Und wenn Ihr das gerade geschossene Bild auf dem Display begutachtet, sagt ihm was Ihr seht. „Ja, das ist schon sehr gut. Den Kopf etwas mehr nach oben, dabei aber den Blick etwas nach unten richten“.
Nun weiß das Model, es hat nichts falsch gemacht. So arbeitet Ihr Euch langsam an das optimale Bild heran. Gerne dürft Ihr natürlich auch mal ein Foto auf dem Display zeigen 😉
Wenn Ihr ein Shooting macht, um mit Eurer Kameratechnik sicherer zu werden, dann solltet Ihr das dem Model auch im Vorfeld sagen. Grundsätzlich ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Solche Shootings zum üben können sehr viel Spaß machen. Spaß, das ist auch noch so ein Stichwort. Fotografieren sollte Spaß machen und zwar beiden. Gerne darf gelacht werden. Ihr seid nicht nur Fotograf sondern auch Alleinunterhalter. 🙂